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Maxim Biller – Liebe heute

2. February 2010 | von mek


Ich hätte von Maxim Biller auch etwas längeres kaufen können, wie Esra (OK, der war schlecht), oder der gebrauchte Jude, aber um der allgemeinen Kurzgeschichtenmüdigkeit hierzulande entgegenzupflügen, habe ich mir den Kurzgeschichtenband Liebe Heute besorgt. Mein Sendungsbewusstsein. Allerdings besteht Maxim Billers Œuvre ohnehin größtenteils aus Kurzgeschichten, und ich wollte ja etwas Repräsentatives von ihm.
Aaah. Zwanzig oder dreißig Geschichten über die Beiläufigkeit. Ich meine: zwanzig oder dreißig Geschichten über die Liebe. Die Größe, die die Liebe in diesen Geschichten einnimmt, um letztendlich doch eine Beiläufigkeit zu bleiben. Das kann man nun traurig finden, manchmal ist es aber auch wahr, doch bleibt man bei solchen Geschichten dem schönen Schein erlegen, letztendlich immer einer Romantik verfallen zu sein.
Die Geschichten spielen in Berlin-Mitte, in Hamburg, in Tel Aviv, in Slowenien. In Cafes, auf Sofas. Oft bin ich an Judith Hermann erinnert worden, ein ähnlicher Ton, eine ähnliche Lakonie, ähnlich auch die Handlungen der Leute, zwar keine Menschen die rauchend am Fenster sitzen und Tassen von hier nach dort bewegen, aber Menschen die auf dem Sofa sitzen und Zeitungen von hier nach dort bewegen. Nur ist er schlechter gelaunt. Man könnte sagen Maxim Biller ist der männliche Judith Hermann mit schlechter Laune. Aber da er bei mir in der Straße wohnt, halte ich das lieber für mich. Er könnte mich irgendwann erkennen. Er war ja schon vor ihr da.

Eigenartig nur seine Abneigung gegen Deutsche, gegen allem was deutsch ist, fast schon obsessiv. Die Guten sind die Spanier, die Griechen, die Juden, die nennsiemir. Sobald jemand blond ist oder Nora heißt, oder Sebastian, ist die Person dumm, häßlich, verabscheuungswürdig. Komische Sache das. Vielleicht ist es die Generation. Wäre ich Deutscher, wäre es mir vermutlich egal. Da ich aber kein Deutscher bin, regt mich diese dumme Klassifizierung auf.